Ist die Marktführerschaft von Bwin.Party in Gefahr ?


Hat bwin.party zu hoch gepokert ? Eine Liberalisierung des Glücksspielmarktes bringt nicht nur Vorteile.
Die Lage in den USA:
Der österreichisch-britische Internet-Sportwettenanbieter bwin.party wartet auf die Öffnung des US-amerikanischen Online-Pokermarktes. Es ist offen, ob Poker auf Basis eines Bundesgesetzes erlaubt wird oder auf Bundesstaatenebene.
In den USA ist Online-Glücksspiel seit 2006 verboten. Drei große Pokerportale (Full Tilt Poker, PokerStars, Absolute Poker) sind angeklagt. Nachdem Full Tilt Poker seinen Betrieb einstellen musste, konnte bwin.party einen Spielerzugang von 15% verzeichnen. „Wir müssen abwarten, was sich bei PokerStars tut,“ so bwin.party-Co-CEO Norbert Teufelberger.
Nicht zufriedenstellend ist für bwin.party die gesetzliche Situation in Europa.
In Deutschland wird seit Monaten um einen neuen Glücksspielvertrag gekämpft. Brüssel will vor allem das deutsche Sportwettenmonopol auflösen. bwin.party-Co-CEO Norbert Teufelberger hofft auf eine Lösung im nächsten Jahr. (s. auch “Kann Schleswig-Holstein den Glücksspielmarkt neu ordnen ?”).
Bwin-Deutschlandchef Jörg Wacker verzichtet erst einmal auf Sponsoringdeal, weil die Rechtslage für Sportwettenanbieter in Deutschland noch unsicher ist und niemand weiß, wie das deutsche Glücksspielrecht künftig aussehen wird. „Es gibt für uns keine Planungssicherheit, deshalb schließen wir auch keine Verträge, die wir womöglich gar nicht einhalten können“, gesteht Jörg Wacker im jüngsten Interview mit dem Handelsblatt.
„Unsere Marke ist stark und vertrauenswürdig.“ Allerdings mussten die Marketingausgaben von 60 Millionen im Jahr 2006 auf nahezu null reduzieren werden. Allzu lange kann Bwin nicht weiter zusehen, wie die anderen Anbieter mit massiven Werbeausgaben Marktanteile aufkaufen. Die Wettbranche wird in Zukunft viel Geld für Marketing ausgeben, aber nicht alles wird ins deutsche Fussball-Sponsoring fließen. Auch der Breitensport wird profitieren.
Spanien hat sich entschlossen, Internet Sportwetten, -Casino, -Bingo und –Poker zu erlauben. Auch Dänemark will sich dem anschließen. Italien hat schon früh mit der Öffnung des Glücksspielmarktes begonnen. Seit Juli 2011 sind dort auch „Poker Cash Games“ im Internet erlaubt. „70 Prozent des Pokergeschäftes kommen aus den Cash Games, der Rest aus Turnieren“, weiß Teufelberger.
„Würde es in Österreich eine eigene Onlinelizenz geben, würden wir uns natürlich bewerben“, wirft Teufelberger ein, aber weder für die Spielbankkonzessionen noch für die Lotterielizenz oder die Lizenzen für Automatensalons will sich bwin.party bewerben.
Die Marktöffnung hat auch Nachteile.
Die große Konkurrenz im Pokerbereich, die Schließung des Online-Casinos für französische Spieler, steigende Steuern in Frankreich, Spanien und Österreich führten im ersten Halbjahr 2011 zu einem hohen Verlust. Aber seit Ende Juni entwickeln sich die Erträge besser, so dass die Aktionäre nicht leer ausgehen müssen.
bwin.party hat, wie die meisten Online-Wettanbieter, aus rechtlichen und aus steuerlichen Gründen seinen Firmensitz auf Gibraltar und notiert an der Londoner Börse. Die Mitarbeiter des Konzerns arbeiten in Europa, Israel, USA und in Indien. Der Standort Wien soll, laut Teufelberger, bleiben, obwohl dort 100 Mitarbeiter entlassen wurden.
Der Konzern erwartet nun durch die Fusion des Wiener Sportwettenanbieters bwin mit der britischen PartyGaming höhere Gewinne im Jahr 2013.
Kann Schleswig-Holstein den Glücksspielmarkt neu ordnen?

Schleswig-Holstein will aus dem Glücksspiel-Staatsvertrag aussteigen !
Die schleswig-holsteinischen Landesregierung löst ihr Wahlversprechen ein und will aus dem Glücksspielstaatsvertrag aussteigen und bald einen eigenen Gesetzesentwurf verabschieden, der eine weitgehende Freigabe von Sportwetten und Online-Casino vorsieht. Ab März 2012 sollen private Wettanbieter Lizenzen für Schleswig-Holstein erhalten.
Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes vom September 2010 bestätigt die liberale Praxis der Landesregierung. Auch die großen privaten Wettanbieter akzeptieren diesen Länderentwurf. So haben die Unternehmen Bwin Party Group und Jaxx SE (Mybet) bereits angedeutet, dass sie unter den Schleswig-Holsteinischen Bedingungen in Deutschland operieren würden. Weitere ca. 40 Anbieter sind interessiert.
Der bisher einzige staatliche Sportwetten-Anbieter Oddset hat Arp zufolge nur einen geringen Marktanteil. Es sei daher wichtig, die im rechtlichen Graufeld agierenden Unternehmen über die bis zu siebenjährige Lizenz zu kontrollieren und damit zugleich Geld in den Staatshaushalt zu pumpen.
Schon im Mai hat Schleswig-Holstein als einziges Bundesland einen eigenen Gesetzesentwurf bei der EU Kommission eingereicht, in dem sie vor allem für eine weitgehende Öffnung und Liberalisierung des Wettmarkts für private Anbieter stehen. Der größte Teil der Einnahmen aus der Zusatzabgabe der Glücksspiel-Anbieter soll für gemeinnützige Zwecke verwendet werden. Durch die Lockerung im Bereich des Vertriebs und Marketings könnte der Spitzen- und Breitensport auf Zusatzeinnahmen durch Sponsorengelder aus der Wettbranche hoffen.
In einem Wettbuch müssen alle abgeschlossenen Wetten für mindestens 4 Jahre festgehalten werden. Bruttorohgewinne werden durch eine Zusatzabgabe mit lediglich 20% besteuert. Ein Beirat soll die Grenzen für diese Wettform festsetzen. Mit diesem Entwurf besteht eine realistische Chance den Großteil des bisher unregulierten Marktes (ca. 95%) zu regulieren und auch gegen Wettsucht und Spielmanipulation deutlich effektiver vorzugehen.
Bwin & PartyGaming Fusion kostet bis zu 400 Mitarbeitern den Job !

Geplante 55 Millionen Euro Einsparungen jährlich durch Fusion von Bwin und PartyGaming !
Laut der “Financial Times Deutschland” planen die im Frühjahr 2011 fusionierenden Online Glücksspiel-Anbieter PartyGaming und Bwin jährliche Einsparungen in Höhe von bis zu 55 Millionen Euro. Ein Großteil der Einsparungen soll u.a. durch die Entlassung von bis zu 400 der bisher 2900 Mitarbeiter erfolgen.
Sitz des kombinierten Anbieters von Sportwetten, Online Poker, Casinospielen und teilweise auch Online Rubbellosen wird aller Voraussicht nach Gibraltar sein, die Börsennotiz von Bwin an der Wiener Börse wird eingestellt.
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